Hochgebirgstour – Großvenediger – mein erster 3000er

von Nina

Hey hast du nicht Lust nächste Woche mit mir einen 3000 zu besteigen?“ Als Sabrina mir diese Nachricht schickte, habe ich mich im ersten Moment nur gefragt, ob die wirklich an mich gerichtet war. Ich bin noch nie eine Hochgebirgstour gegangen, wusste nicht was genau mich erwartet  geschweige denn ob ich fit genug bin und was man dafür alles braucht. 
„Ach, das schaffst du doch locker, du bist ja fit!, war ihre Antwort und bevor ich zu viel darüber nachdenken konnte, habe ich einfach zugesagt.  Eine Woche später stand ich dann mit einem fetten Grinser im Gesicht da, am Großvenediger, dem höchsten Berg Salzburgs – Mein erster 3000er.

Doch fangen wir ganz von vorne an, denn zu Beginn war eigentlich gar nicht der Großvenediger geplant und am besagten Morgen war ich mir auf Grund des schlechten Wetters nicht einmal sicher, ob wir überhaupt irgendeinen Gipfel besteigen werden. Natürlich waren wir nicht alleine auf Mission 3000er, sondern mit Bergführer Hannes vom Nationalpark Hohe Tauern und Michi & Lukas, die das ganze mit der Kamera begleitet haben, unterwegs. Die Tage vor unserer Tour hat es ziemlich viel geregnet und wir dachten schon fast, dass unsere Tour wortwörtlich ins Wasser fallen wird, doch unser Team war sehr optimistisch. Also haben Sabrina und ich uns, etwas skeptisch muss man ehrlich gestehen, auf den Weg Richtung Nationalpark Hohe Tauern gemacht. Und da siehe her, wir hatten ziemliches Glück, denn an diesem einen Tag blieb es mehr oder weniger trocken.

Also hieß es am Nachmittag hinein in die Wanderschuhe und die erste Etappe (Wanderweg oder Klettersteig A/B Richtung Kürsingerhütte) meistern, bevor die Sonne unterging. Wir haben den Aufstieg über den Klettersteig gewählt und die Route war wirklich unheimlich schön. Ich finde der Nationalpark Hohe Tauern hat einfach einen ganz besonderen Flair und etwas total Magisches. Ich bin jedes Mal aufs Neue sprachlos, wenn ich diese wunderschöne Landschaft sehe. Bei uns war es doch relativ zugezogen, aber irgendwie hat es diese Wanderung nochmal mystischer gemacht. In ca. 2 Stunden hatten wir unser Tagesziel, die Kürsingerhütte, erreicht. Hier gab es dann erstmal ein großes Grantenwasser, Abendessen und der nächste Morgen wurde besprochen. Eigentlich war ja ein anderer Gipfel geplant, aber als wir dann da so zusammensaßen beim Abendessen, meinte Michi nur, „Na wenns schon mal da seids dann müsst ma eigentlich schon auf den Großvenediger gehen.“ Sabrina und ich haben uns nur kurz angesehen und wussten in dem Moment beide das es für uns nur eine einzige richtige Antwort darauf gab.

Gut gestärkt hieß es dann für uns relativ früh ab ins Bett, denn wir hatten am nächsten Morgen doch noch über 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Meine Nacht war eher kurz, denn ich habe mir Sabrinas Tipp zu Herzen genommen und versucht pro 1000 Höhenmeter 1 Liter Wasser zu trinken. Natürlich ist es von Mensch zu Mensch unterschiedlich was die Menge der Flüssigkeit betrifft, aber da ich noch nie so hoch oben war, dachte ich mir, es kann nicht schaden etwas mehr zu trinken. Vor allem weil ich normal ein sehr trinkfauler Mensch bin und ich doch nicht wusste, was die Höhe mit mir macht. Tja, ihr könnt euch deshalb sicher auch vorstellen, dass ich in der Nacht nicht nur einmal aufs Klo gelaufen bin. Dazwischen habe ich immer mal wieder einen Schluck Wasser genommen und als der Wecker dann um 4:40 Uhr ging, wollte ich es im ersten Moment gar nicht so wirklich wahrhaben.

Nach einem schnellen Frühstück haben wir auch schon unsere sieben Sachen gepackt und Etappe 2, den Gipfel des Großvenedigers gestartet. Ich muss gestehen, ich habe an diesem Tag komplett mein Zeitgefühl verloren und wenn ich meine Uhr nicht gestartet hätte, wüsste ich nicht wie lange wir eigentlich unterwegs waren.
Zu Beginn sind wir gewappnet mit Stirnlampen einen felsigen Weg (bergab wie sich später herausstellte) Richtung Gletscher gegangen. Ich fand es unheimlich spannend so im Dunklen zu gehen, weil man ja nicht wirklich weiß wie die Umgebung rundherum aussieht. Also Überraschungsmoment inklusive – Fast wie wenn man auf Urlaub fährt und in der Nacht ankommt und auf den nächsten Morgen wartet.
Mir ist dieser Teil eigentlich relativ kurz vorgekommen, aber wenn man so im Dunklen geht, verliert man schnell ein Gefühl für die Zeit, finde ich.
Am unteren Ende des Gletschers angekommen, war es dann auch schon heller und so wurden die nächste Vorkehrungen getroffen und zwar die Steigeisen (haben wir uns in der Hütte ausgeliehen) angelegt und dann ging es in einer Seilschaft auch schon weiter.
Zeitgleich mit uns ist auch eine ganze Bundesheertruppe aufgestiegen und irgendwie hat das dieser Tour nochmal mehr Abenteuer-Feeling verliehen. Die Jungs haben uns aber ziemlich schnell abgehängt und so hatten wir den „Weg“, der ja kein wirklicher ist wieder für uns.

Es ging also über mehrere Gletscherspalten rauf Richtung Gipfel und wir wurden hier sogar mit ein wenig Sonne belohnt. Ich muss sagen, ich war sehr dankbar, dass uns Hannes hier begleitete, denn ohne Erfahrung und wirklich Know How ist diese Tour auf jeden Fall nich zu empfehlen und kann auch gefährlich werden.
Der Aufstieg war mit ca. 5 Stunden relativ lang, aber nicht besonders schwierig. Also auf jeden Fall machbar und ein guter Hochtouren-Einstieg. Ich habe nach ca. 4 Stunden kurz mal die Höhe gespürt, aber mein Körper hat sich relativ schnell daran gewöhnt. Das letzte Stück der Tour fand ich persönlich, auch wenn wir hier kurz kaum Sicht hatten, am Coolsten, denn die letzten Meter ging man über einen Schneegrat zum Gipfel.
Ja und da stand ich also auf 3662 Meter, am Gipfel des Großvenedigers. Es war wirklich ein ganz tolles Gefühl da oben zu stehen und ich habe mein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht – Das ist er also mein erster 3000er. Auch das Wetterglück war mehr oder weniger auf unserer Seite. Es war zwar kalt und hat immer zwischen Sicht und keiner Sicht gewechselt, aber wir konnten zumindest ganz kurz den Ausblick genießen.

Nach ein paar Gipfelfotos ging es den selben Weg auch wieder Richtung Kürsinger Hütte runter. Nachdem wir doch schon eine ganz schöne Weile unterwegs waren, hatte es der Abstieg dann nochmal in sich. Bergabgehen mit Steigeisen ist ganz schön mühsam musste ich feststellen und an dieser Stelle hätte ich mir ein bisschen mehr Schnee und mein Snowboard gewünscht. Ja und als wir dann den Gletscher wieder hinter uns gelassen hatten, kam der anstrengende Part, denn das felsige Stück, das wir in der Früh im Dunklen gegangen sind, stellte sich als doch etwas länger heraus. Ja und was sich in der Früh wie gerade gehen angefühlt hat, war doch eher Bergab und so mussten wir dann noch ein paar Höhenmeter nach oben, anstatt nur nach unten gehen. Sabrina und ich habe uns mit Steine sammeln abgelenkt.
In der Kürsingerhütte haben wir dann nochmal eine kurze Pause gemacht, bevor wir den letzten Teil angetreten sind. Hier hat dann das Wetter in bisschen umgeschlagen und die letzten Meter sind wir im Nieselregen abgestiegen. Nach knapp 9 Stunden und 15,5km waren wir komplett erledigt, aber Happy wieder retour beim Auto.

Mein erster 3000er war echt ein ganz ganz tolles Erlebnis und ich hätte mir für diese Hochtour keine bessere Begleitung wünschen können. Wir haben viel gelacht und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Kurz danach war ich wirklich so motiviert, dass ich mir schön überlegt habe, wo ich als nächstes raufgehen könnte. Es ist wirklich ein unbeschreiblich tolles Gefühl da oben zu stehen. In nur 24 Stunden sind wir knapp 11 Stunden marschiert, haben fast 20km und 1800 Höhenmeter zurückgelegt. Ja da war ich dann schon ein bisschen stolz auf mich. Da sieht man erst was man alles schafft wenn man sich mehr zutraut, denn oft ist man zu viel mehr fähig als man denkt. Ja und so habe ich in diesem verrückten Jahr doch echt meinen ersten 3000er bestiegen obwohl es gar nicht geplant war.

Was war die Starthöhe, wo startet die Tour und war es schwer wegen der Höhe?
Man startet von der Talstation der Materialseilbahn der Kürsingerhütte. Hierhin kommt man am besten mit dem Taxi, denn zu Fuss wäre das nochmal ein ganz schönes Stücken. Die Materialseilbahn liegt ca. auf 1900 hm und bis zum Gipfel sind es dann nochmal 1800 HM die man zurücklegt und insgesamt rund 20km rauf und runter. Bzgl. Höhe muss ich sagen, hatte ich hier Gott sei Dank gar keine Probleme und kann da auch nicht so viel dazu sagen. Es kann natürlich auch sein, dass ich auf Grund der Höhe so schlecht geschlafen habe, aber ich befürchte das lag eher an der Aufregung und an dem vielen Wasser. Während der Hochtour habe ich die Höhe ganz kurz gespürt, kann das Gefühl aber jetzt gar nicht mehr so genau wiedergeben. Mein Körper hat sich aber recht schnell daran gewöhnt.

Wo habt ihr geschlafen?

Geschlafen haben wir in der Kürsingerhütte, der ich wirklich 9 von 10 Punkten geben würde und das obwohl ich eine wirklich kurze Nacht hatte, doch dafür können die ja nichts. Die Hütte ist wirklich sehr zu empfehlen und ich hab mich dort sofort wohl gefühlt. Sehr gemütlich, unglaublich gastfreundlich, tolle gemütliche Zimmer (Wir hatten ein Doppelzimmer, die sind aber begrenzt. Sonst gibt es auch Matratzenlager), Badezimmer mit Dusche (die wir nicht genutzt haben) und sie hatten richtig leckeres veganes Essen, so gutes Gemüsegröstl).
Einziger Nachteil (deshalb nur 9 von 10), beim Frühstück gab es keine veganen Optionen, aber wir hatten Gott sei Dank vorgesorgt und Aufstriche dabei. Ja und mein absolutes Highlight, neben dem Gemüsegröstl war Grantenwasser, das ich dort Literweise getrunken habe.

Was hast du als Vorbereitung (körperlich & mental) gemacht?
Um ehrlich zu sein, gar nichts, weil es eine sehr spontane Aktion war. Was in dem Fall sicher gar nicht so schlecht war, denn so konnte ich mir im vorhinein nicht zu viele Gedanken machen und habe mich einfach auf dieses Abenteuer eingelassen. Was ich hier aber unbedingt erwähnen möchte ist, der Großvenediger ist kein kleiner Spaziergang den man mal schnell so macht und man sollte hier auf alle Fälle Hochtouren-Erfahrung mitbringen, Oder wie in unserem Fall mit einem erfahrenen Bergführer unterwegs sein. Ich hatte vor dieser Hochtour nicht einmal eine Ahnung was ich alles benötige und war sehr dankbar, dass Sabrina mich da ein bisschen an die Hand genommen und ein bisschen vorbereitet hat. Der Großvenediger gilt als sehr guter Hochtouren-Einstieg, da die Tour selber echt nicht schwer ist. Für mich war es zwar anstrengend und ich hatte danach einen ziemlichen Muskelkater, aber ich bin in diesen 24 Stunde nicht einmal an meine Grenzen gestossen oder hatte das Gefühl, ich schaff das nicht. Mein Vorteil war sicher, dass ich im vergangenen Jahr sehr viel Zeit in den Bergen verbracht habe und zu diesem Zeitpunkt sehr fit war und eine gute Kondition hatte. Ich würde behaupten, wenn man halbwegs fit ist und Wandern kein Fremdwort ist, kann man diese Hochtour auf jeden Fall schaffen. Doch wie gesagt auf jeden Fall mit Bergführer, denn eine Hochtour kann man nicht mit normalen Wandern vergleichen.

Welche Ausrüstung hattest du dabei?
Da wir mit Bergführer unterwegs waren, musste ich mir hier um Dinge wie Seil, Karabiner und Steigeisen keine Gedanken machen und nur meinen Rucksack packen. Wobei ich auch hier zu Beginn ein wenig überfordert war, aber wenn man eine Freundin wie Sabrina hat, ist auch das gar kein Problem. So habe ich ihre sehr gut durchdachte Packliste bekommen und diese noch ein bisschen für mich angepasst. Denn an Stöcke Sonnencreme und Handschuhe, hätte ich im ersten Moment nicht gedacht. Ich bin auch am Tag vorher nochmal losgezogen und habe mir eine wasserdichte Hose, die wirklich jeden Cent wert war, gekauft.

Die Frage nach welche Kleidung ziehst du zum Wandern an kommt relativ oft und ich werde demnächst mal einen ausführlichen Beitrag dazu verfassen, was ich euch aber heute schon verraten kann, nichts geht über den Zwiebellook. Bei Wanderkleidung setze ich sehr gerne auf Lagen, denn mir wird sehr schnell heißt und so habe ich lieber mehr Schichten dabei die ich je nach Wetter aus oder anziehen kann. Für mich persönlich am wichtigsten waren auf jeden Fall wasserdichten Wanderschuhe, die Hardshelljacke, die Wasserdichte Hose und die Handschuhe. Für die Hütte selber habe ich versucht sehr minimalistisch zu packen, denn man darf nicht vergessen, man muss alles auch selber rauf tragen. So habe ich die Leggings in der ich raufgegangen bin auch zum Schlafen angelassen und nur das Shirt oben gewechselt. Normalerweise hätte ich anstatt Hausschuhe warme Socken eingepackt, aber in dem Fall habe ich mich dann doch für die Birkenstock entschieden und war sehr dankbar. Beim Rucksack habe ich mich für den Deuter Futura SL mit 28 Liter entschieden, was zwar vom Platz her ne Challenge aber machbar war. Ich habe euch hier die Packliste noch angehängt und meine jeweilige Wahl dazugeschrieben.

Mein erster 3000er Packliste: 

  • Rucksack -Deuter Futura SL 28L
  • hohe wasserdichte Wanderschuhe – Dachstein Super Ferrata GTX
  • Sport-BH
  • Tights (als unterste Schicht und zum schlafen) – the North Face
  • 1 Langarm Funktionshirt
  • 2 kurzarm Funktionsshirts
  • wasserdichte Hose – Haglöfs
  • Fleecejacke – Mammut
  • Hardshelljacke – Mammut
  • dünne Daune – Patagonia (habe ich nicht gebraucht)
  • 2 Hauben
  • Sonnenbrille
  • Sonnencreme
  • 2 Paar Socken
  • Unterwäsche zum Wechseln (wird überbewertet)
  • Buff
  • Handschuhe
  • Wanderstöcke – Black Diamond
  • Klettergut (hatte einfach mein Klettersteigset dabei) Salewa
  • Hüttenschlafsack
  • Stirnlampe – Black Diamond
  • Sonnenbrille
  • Akkupack
  • Kamera
  • Wasserflasche
  • Snacks
  • Zahnbürste & Zahnpasta
  • Sonnencreme (oder Gletschercreme)
  • Birkenstock (Für die Hütte)

Hier findet ihr mehr Berichte zu meinen Wanderungen 

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4 Kommentare

Carmen 14/01/2021 - 9:49 AM

Liebe Nina,
Ich liebe deine Blogposts übers Wandern sehr, sie sprühen so vor Freude und Begeisterung und wirken auf mich extrem ansteckend!
GLG
Carmen

Antworten
Nina 21/01/2021 - 3:45 PM

oh danke Carmen für die liebe Worte das freut mich wirklich sehr :)

Antworten
Marina 14/01/2021 - 5:22 PM

Ich war im Sommer 2019 (was war das nochmal für eine tolle zeit? :D) in Peru und habe dort mit dem „Vinicunca“ meinen ersten 5000er bestiegen UND es war die pure Hölle!! Ich habe mich damals wirklich gut vorbereitet und auf alles geachtet, mich langsam vorgetastet, davor einige andere Wanderungen zum eingewöhnen geplant etc. ABER wenn die Höhenkrankheit zuschlägt, dann schlägt sie zu..seit dem sind solche Gipfelträume wie der Großvenediger bei mir in den Hintergrund gerutscht, aber wenn ich mir das hier so anschaue, dann bekomme ich wieder richtig Lust auf eine Herausforderung. Vielen Dank dafür!!

Antworten
Nina 21/01/2021 - 3:44 PM

Hallo liebe Marina,

oje oje, ich hab auch schon so viele unterschiedliche Geschichten gehört, ich glaub da kann man noch so gut vorbereitet sein und es kommt halt dann doch immer auf die Tagesverfassung an. Aber vielleicht ist gerade der Großvenediger ganz gut zum wieder herantasten :) zwischen 3666 und 5000 sind ja doch noch ein paar Höhenmeter dazwischen.

und oooh ja wie schön war das damals als man noch normal reisen konnte, hach.

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